Effektiver Altruismus: ArtikelApril 17, 202300:38:4526.65 MB

Ist der Klimawandel das größte Problem der Welt?

von John Halstead

Der Klimawandel ist zweifellos eines der prägenden Probleme unserer Zeit. Längst hat der Schutz unseres Klimas einen festen Platz im öffentlichen Diskurs und berührt unser Handeln und Denken in zahlreichen Lebensbereichen. Und tatsächlich sehen viele junge Menschen das Thema als das größte Problem der Welt an. Doch haben diese Stimmen wirklich recht? Wie lässt sich der Klimawandel mit anderen drängenden Probleme vergleichen? Und was sind unsere besten Möglichkeiten, ihm entgegenzuwirken? 

In dieser Episode stellen wir einen Bericht der Spenden- und Forschungsorganisation Giving What We Can vor, der diese und viele weitere Fragen rund um den Klimawandel beleuchtet. 


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Ist der Klimawandel das größte Problem der Welt? 

Und was können wir gegen ihn tun?

Kurzfassung

Diese Recherche stammt von Giving What We Can, einer Organisation, die Menschen ermutigt, einen gewissen Teil ihres Einkommens, häufig 10 %, an die effektivsten Hilfsorganisationen zu spenden. Vor diesem Hintergrund beleuchten sie im Folgenden das Problem des Klimawandels. 

Der ursprüngliche (deutlich umfassendere) Bericht wurde von John Halstead und Johannes Ackva verfasst. Dies ist eine Übersetzung von Michael Townsends Zusammenfassung.

Als 2019 Tausende junger Menschen gefragt wurden, was ihrer Meinung nach das größte Problem der Welt sei, war der Klimawandel die häufigste Antwort.

In dieser Zusammenfassung gehen wir drei Fragen nach:

  1. Haben diese jungen Menschen Recht? Ist der Klimawandel das größte Problem der Welt?
  2. Was sind die besten verfügbaren Lösungen?
  3. Wenn Du den Klimawandel bekämpfen willst, welche Wohltätigkeitsorganisationen solltest Du unterstützen?

Erörtern wir zunächst mal, was der Klimawandel überhaupt ist.

Der Klimawandel

Der vom Menschen verursachte Klimawandel nahm seinen Anfang zu Beginn der industriellen Revolution mit James Watts Patent für die Dampfmaschine im Jahr 1769. Die Industrielle Revolution führte zum ersten nachhaltigen Anstieg des durchschnittlichen Lebensstandards seit Jahrtausenden, aber auch zu einer jahrhundertelangen, nahezu unkontrollierten Verbrennung fossiler Brennstoffe.

Treibhausgase wie CO2 und Methan halten die von der Erde abfließende Wärme zurück, was zur Erderwärmung führt. Seit der industriellen Revolution sind die globalen Durchschnittstemperaturen um etwa 1 °C gestiegen, wobei der größte Teil der Erwärmung nach 1980 stattfand.

Jedes Mal, wenn Du mit dem Auto fährst, bleibt ein beträchtlicher Teil des von Dir freigesetzten CO2 für Jahrtausende in der Atmosphäre. Wenn sich die derzeitigen Trends fortsetzen, werden die CO2-Konzentrationen und die globalen Temperaturen bis zum Ende des Jahrhunderts auf Höchststände klettern, die unser Planet seit Hunderten von Millionen Jahren nicht mehr gesehen hat.

Schon jetzt hat der Klimawandel zu einem Anstieg des Meeresspiegels geführt, der Inselstaaten und Küstenstädte bedroht, die Häufigkeit katastrophaler Wetterereignisse erhöht und die Welt dadurch zu einem lebensfeindlicheren Ort gemacht. Überdies befeuert die Verbrennung fossiler Brennstoffe nicht nur den Klimawandel, sondern tötet auch jedes Jahr Millionen von Menschen durch Luftverschmutzung.

Angesichts dieser alarmierenden Umstände ist es nicht verwunderlich, dass junge Menschen heute besorgt sind — und dazu haben sie jedes Recht. Doch in der oben zitierten Umfrage halten immerhin zwei Drittel der Befragten etwas anderes als den Klimawandel für das größte Problem der Welt. Also wollen wir die Frage stellen: Wer hat Recht?

1. Ist der Klimawandel das dringendste Problem der Welt?

Es ist wichtig, gleich zu Beginn darauf hinzuweisen, dass die Frage nach dem „größten Problem der Welt“ eine sehr hohe Messlatte darstellt und viel schwieriger zu beantworten ist als die einfachere Frage, ob der Klimawandel es überhaupt wert ist, angegangen zu werden (die Antwort: Er ist es).

Aber wir stellen uns diese Frage, denn wenn man so viel Gutes wie möglich tun will, lohnt es sich, den wichtigsten Problemen den Vorrang zu geben.

Leider ist der Klimawandel nicht der einzige Anwärter auf den Titel des „dringendsten Problems“: Milliarden von Tieren leiden jedes Jahr unter schrecklichen Bedingungen, Millionen von Menschen sterben an vermeidbaren Krankheiten und es gibt große Gefahren für unser Überleben als Spezies, wie z. B. katastrophale biologische Ereignisse und übermächtige künstliche Intelligenz (KI), deren Handeln sich nicht länger an menschlichen Werten orientiert.

Wie kann man also herausfinden, was am wichtigsten ist? Das ist eine fast (aber nicht ganz!) unmöglich zu beantwortende Frage. Als Hilfestellung werden wir ein Framework verwenden, das drei Dinge berücksichtigt:

  • Ausmaß — Wie gut wäre es, wenn dieses Problem gelöst würde?
  • Vernachlässigung — Erhält das Problem die Aufmerksamkeit, die es verdient?
  • Lösbarkeit — Gibt es Möglichkeiten, Fortschritte zu erzielen?

Mehr zu diesem Framework findest Du hier.

Zusätzlich zu diesem Rahmen werden wir das Problem aus zwei verschiedenen Blickwinkeln betrachten: Longtermism (die langfristige Zukunft betreffend) und Neartermism (die Gegenwart und nahe Zukunft betreffend).

Unter Longtermism versteht man die Idee, dass es eine zentrale moralische Priorität ist, dafür zu sorgen, dass die Zukunft langfristig gut verläuft. Dahinter verbergen sich im Wesentlichen drei Ideen:

  1. Zukünftig lebende Menschen und gegenwärtig lebende Menschen werden in ethischen Entscheidungen gleichermaßen berücksichtigt.
  2. Unsere Zukunft könnte sehr, sehr lang sein und birgt potenziell enormen Wert.
  3. Wir können diese Zukunft gestalten (zum Beispiel, indem wir Katastrophen abwenden, die sie auslöschen oder großes Leid verursachen würden).

Aus dieser Sicht ist es besonders wichtig, zu bedenken, dass unser heutiges Handeln sehr langfristige Folgen haben könnte. Deshalb sind Handlungen, die die Zukunft irreversibel verändern, die z. B. das Aussterben der Menschheit nach sich ziehen, besonders bedeutsam.

Andererseits sind wir der Ansicht, dass wir uns besonders auf die Menschen oder Tiere konzentrieren sollten, die aktuell oder in absehbarer Zukunft leben. Oft geht es dabei um die Verringerung der weltweiten Armut oder um die Verringerung des Leidens von Tieren in Massentierhaltung. Es ist wahrscheinlich am einfachsten, den Begriff „Neartermism“ als eine notdürftige Bezeichnung für „Nicht-Longtermism“ zu betrachten, da es viele radikal unterschiedliche Weltanschauungen gibt, die als „neartermistisch“ bezeichnet werden könnten. Gemeinsam ist ihnen allen, dass sie kein besonderes Augenmerk darauf richten, wie sich Handlungen auf die sehr langfristige Zukunft auswirken.

Der Klimawandel ist sowohl aus langfristiger als auch aus kurzfristiger Sicht wichtig, aber diese Perspektiven unterscheiden sich darin, welchen Auswirkungen des Klimawandels sie die größte Bedeutung zuschreiben. Unser vollständiger Bericht und diese Zusammenfassung bewerten den Klimawandel in erster Linie als Teil unserer Forschung zur Sicherung der langfristigen Zukunft und konzentrieren sich daher auf die extremsten Risiken. Gleichzeitig wollen wir aber auch Aspekte diskutieren, die im Hinblick auf die Gegenwart (und nahe Zukunft) relevant sind.

Die erste Frage, die wir uns stellen müssen, lautet: Wie schädlich könnte der Klimawandel sein?

Ausmaß — Wie schlimm wird uns der Klimawandel treffen?

Beim Ausmaß geht es darum, wie groß das Problem ist. Wir können das Ausmaß des Klimawandels in zwei Fragen aufteilen:

  1. Mit wie viel Erwärmung müssen wir rechnen?
  2. Wie schlimm wären die Konsequenzen?

Mit diesen Fragen beschäftigen sich Wissenschaftler seit Jahrzehnten. Um sie zu beantworten, müssen sie nicht nur herausfinden, wie sie das Klima modellieren können, sondern auch den Menschen und seine Entscheidungen: Wie wird sich unser Verhalten angesichts dieser anhaltenden Krise ändern? Aufgrund der enormen Komplexität dieser Frage, ist es unmöglich, konkrete Antworten zu geben. Stattdessen werden wir uns mit der Ungewissheit auseinandersetzen müssen. In diesem Sinne werden wir das Ausmaß des Klimawandels im Hinblick auf das wahrscheinlichste Ergebnis und das Worst-Case-Szenario betrachten.

Wenden wir uns also der ersten Frage zu: 

Wie viel Erwärmung ist zu erwarten?

Die außerordentlichen Fortschritte bei erneuerbaren Energiequellen und Batterien, gepaart mit einer immer strengeren globalen Klimapolitik führen wahrscheinlich zu einer Erderwärmung, die der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen (IPCC) als „mittel-niedrigen“ Emissionspfad bezeichnet: 2,5 bis 3 °C Erwärmung im Jahr 2100 im Vergleich zu vorindustriellen Werten. Es gibt sogar Hinweise darauf, dass diese Studien zu pessimistisch sein könnten, weil sie die voraussichtlichen Fortschritte bei erneuerbaren Energien, Batterien und anderen Technologien unterschätzen und die positiven Effekte bestehender Ziele und einer stärkeren zukünftigen Klimapolitik außer Acht lassen.

Wie sieht das Worst-Case-Szenario aus? Dies würde bedeuten, dass alle fossilen Brennstoffe1 verbrannt werden, was zwar unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich ist. Das könnte selbst dann passieren, wenn wir zwar signifikant, aber nicht vollständig dekarbonisieren — wenn beispielsweise die Emissionen auf ein Viertel des derzeitigen Niveaus sinken, würden wir alle verwertbaren fossilen Brennstoffe in etwa 750 Jahren verbrauchen. Dieses Szenario würde höchstwahrscheinlich zu einer Erwärmung von etwa 7 °C im Vergleich zur vorindustriellen Zeit führen, und die Wahrscheinlichkeit einer Erwärmung von mehr als 9,5 °C läge bei 1 zu 6.2

Im wahrscheinlichsten Fall werden wir also bis zum Jahr 2100 mit einer Erwärmung von etwa 3 °C rechnen müssen, im schlimmsten Fall jedoch mit einer Erwärmung von mehr als 7 °C.

Wie stark würde diese Erwärmung ausfallen?

Im Folgenden konzentrieren wir uns auf die aus unserer Sicht wichtigsten humanitären Folgen des Klimawandels:

  1. „Kipp-Punkte“ — könnte der Klimawandel die Erde unbewohnbar machen?
  2. Auswirkungen auf die Landwirtschaft — könnte der Klimawandel dazu führen, dass wir uns nicht mehr selbst ernähren können?
  3. Indirekte Auswirkungen — könnte der Klimawandel die Welt gefährlicher machen oder das Risiko anderer Bedrohungen für die Menschheit erhöhen?

Es gibt noch viele andere negative Auswirkungen, die wir hier nicht berücksichtigen, z. B. den Anstieg des Meeresspiegels, den Verlust der biologischen Vielfalt und eine verringerte Arbeitsproduktivität. Wir haben uns jedoch für die drei oben genannten entschieden, weil sie aus langfristiger Sicht besonders wichtig sind: Jede dieser Bedrohungen hat Einfluss darauf, ob wir durch den Klimawandel aussterben oder eine große globale Katastrophe mit lang anhaltenden Folgen auslösen könnten. Und obwohl Neartermisten diesen Überlegungen weniger Gewicht beimessen mögen, sind sie auch aus einer Gegenwarts-Perspektive von Bedeutung. In zukünftigen Arbeiten möchten wir untersuchen, inwieweit diese anderen Effekte unsere Analyse der Schwere des Klimawandels verändern könnten.

1. Kipp-Punkte

Ein Kipp-Punkt bezieht sich auf einen Schwellenwert, der — wenn er überschritten wird — eine plötzliche, erhebliche und potenziell irreversible Veränderung des Klimas bewirken könnte. Dies könnte für die Menschheit verheerend sein. Ein Beispiel: Die Venus hat einst womöglich riesige Ozeane beherbergt. Sie wurde jedoch vom galoppierenden Treibhauseffekt überrollt und ihre Gewässer haben sich, einfach ausgedrückt, in Luft aufgelöst. Etwas ausführlicher beschrieben: Die Sonnenhitze könnte die Ozeane der Venus allmählich zum Verdampfen gebracht haben, wodurch der Wasserdampf über den Ozeanen abnahm, was letztendlich zu weiterer Erwärmung und Verdunstung führte. Dies könnte sich fortgesetzt haben, bis die Venus ihren heutigen Zustand erreicht hatte: unfruchtbar und unbewohnbar.

Könnte es uns wie der Venus ergehen? Könnten wir einen Kipp-Punkt erreichen, an dem die Erwärmung der Erde sich selbst verstärkt und akkumuliert, bis die Ozeane verschwunden sind? 

Die kurze Antwort lautet: nein. Ein solch extremer Kipp-Punkt ist nach unserem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand unmöglich (siehe hierzu die Diskussion in unserem Bericht).

Allerdings gibt es noch andere, weniger extreme Kipp-Punkte. Einige davon sind besonders besorgniserregend:

  • Rasche Erwärmung und regionale Dürreperioden
  • Zusammenbruch der atlantischen meridionalen Umwälzzirkulation (ein wichtiges Strömungssystem in den Weltmeeren, das eine entscheidende Rolle bei der Regulierung des Klimas spielt)
  • Veränderungen der Monsune

Wir erörtern diese Punkte in unserem vollständigen Bericht, aber auch in diesem Artikel von Carbon Brief findet man hierzu einen ausgezeichneten Diskurs. Die Quintessenz ist, dass einige Kipp-Punkte plausibel und besorgniserregend sind.

Das Klima ist also instabil und könnte sich ändern: Könnte das das Ende der Menschheit bedeuten? Unserer Meinung nach wird unser Fortbestehen weitgehend von unserer Fähigkeit abhängen, auch in Zukunft ausreichend Nahrungsmittel zu produzieren.

2. Auswirkungen auf die Landwirtschaft

Insgesamt dürften sowohl die wahrscheinlichsten als auch die schlimmsten Szenarien schädliche Auswirkungen auf die Landwirtschaft haben. In unserem vollständigen Bericht gehen wir ausführlicher darauf ein, wie sich diese Szenarien auf die Ernteerträge, die Bodenfeuchtigkeit und die Produktivität von Arbeiter:innen in der Landwirtschaft auswirken könnten. Um es kurz zu halten: Wahrscheinlich werden wir den Klimawandel überleben.

Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Insgesamt wird der Klimawandel die Landwirtschaft (möglicherweise erheblich) erschweren, aber er wird auch einige positive Auswirkungen haben. So wird beispielsweise in höheren Breitengrade ehemals gefrorenes Land nutzbar.
  • Auch wenn unsere Ernteerträge leiden werden, werden wir wahrscheinlich besser darin sein, die Landwirtschaft an die schwierigen klimatischen Bedingungen anzupassen, um so die Nahrungsmittelproduktion aufrechtzuerhalten.
  • Es ist ein gewisser Trost, dass die landwirtschaftliche Kapazität bisher stetig zugenommen hat, selbst bei steigenden Temperaturen.

Alles in allem sieht es so aus, als würden die Auswirkungen des Klimawandels die Landwirtschaft in den einkommensschwachen Ländern der Tropen mit besonderer Härte treffen. Es ist jedoch anzunehmen, dass der resultierende Schaden das Ausmaß einer globalen Nahrungsmittelkatastrophe (d. h. ein Ereignis, das mehr als 10 % der Weltbevölkerung könnte) weit unterschreiten würde. Natürlich stellt ein solches Szenario immer noch ein furchtbares Unglück dar, dass es mittels einschneidender Maßnahmen abzuwenden gilt, doch bezüglich der Klimaeffekte auf die langfristige Zukunft der Menschheit, erlauben diese Erkenntnisse eine gewisse Zuversicht. 

Natürlich sollten wir auch Kipp-Punkte im Blick behalten, die zwar unwahrscheinlicher sind, deren Eintreten jedoch viel größeren Schaden anrichten könnte. Besonders alarmierend wäre ein abrupter Zusammenbruch der atlantischen meridionalen Umwälzzirkulation, der die Temperaturen in der nördlichen Hemisphäre um 3 bis 5 °C absenken würde (die Basistemperatur wäre aufgrund des Klimawandels natürlich erhöht). Im Allgemeinen wirkt sich eine Abkühlung viel verheerender auf Ernten aus als eine Erwärmung, da ein einziger Frosttag die gesamte Vegetationsperiode zunichte macht. Doch selbst unter diesen Umständen wäre es für die Menschheit nicht unmöglich, sich weiterhin zu ernähren. So würde Großbritannien einige der dramatischsten Klimaauswirkungen erleben, könnte aber einen Großteil der Auswirkungen durch Bewässerung ausgleichen. Ob ärmere Länder in der Lage wären, sich an die veränderten Niederschlagsmuster anzupassen, ist unsicherer — die humanitären Folgen könnten gravierend sein.

Nahrungsmittelknappheit stellt den plausibelsten direkten Effekt dar, durch den der Klimawandel katastrophale Schäden verursachen könnte. Außerdem existieren jedoch mehrere indirekte und potentiell dramatische Auswirkungen, die wir uns genauer anschauen sollten.

3. Indirekte Risiken

Der Klimawandel könnte auch indirekte Risiken wie Konflikte und politische Instabilität erhöhen.

Die bisherigen Auswirkungen des Klimawandels auf Konflikte sind umstritten. Einige Studien deuten darauf hin, dass der Klimawandel zu einer Zunahme sozialer Konflikte in Afrika geführt hat, aber in der Literatur herrscht Einigkeit darüber, dass er im Vergleich zu anderen Faktoren wie dem niedrigen Pro-Kopf-Einkommen und dem Unvermögen, effektive staatliche Maßnahmen einzuleiten, bislang nur eine geringe Rolle gespielt hat.3

Es ist schwer zu sagen, wie sich ein durch den Klimawandel angefachter Konflikt im schlimmsten Fall auswirken würde, da dies fernab der gelebten menschlichen Erfahrung liegt — es gibt keine aussagekräftigen historischen oder aktuellen Fallstudien, auf die wir zurückgreifen können. Wenn es in Agrarstaaten zu schwerwiegenden Ausfällen in der Landwirtschaft, Dürren oder Überschwemmungen kommt, könnte dies zu politischer Instabilität führen und die internationale Koordination beeinträchtigen. Indirekte Risiken wie diese sind schwer zu quantifizieren, machen vermutlich aber einen erheblichen Teil des globalen Katastrophenrisikos durch den Klimawandel aus.

Der wichtigste potenzielle Konflikt, der uns erwarten könnte, ist ein Krieg zwischen den Großmächten, darunter die USA, China, Indien und Russland. Obwohl einige Wissenschaftler:innen den Klimawandel als wichtige Triebkraft für diesen Konflikt genannt haben, scheinen andere Faktoren (wie die Verschiebung des globalen Kräfteverhältnisses) viel relevanter zu sein.

Jetzt, da wir uns das Ausmaß des Klimawandels angesehen haben, lässt sich festhalten, dass es gewaltig ist, jedoch kaum das Ende der Menschheit bedeuten wird. Ob wir einem Problem Priorität einräumen sollten, hängt jedoch nicht nur davon ab, wie bedeutend es ist, sondern auch davon, wie gut es zu lösen ist.

Lösbarkeit — Wie schwer ist es, den Klimawandel zu bekämpfen?

Im Vergleich zu anderen Risiken für das Fortbestehen der Menschheit ist der Klimawandel eines der am besten lösbaren Probleme — er ist sehr gut erforscht und es gibt einige vielversprechende Lösungen.

Erstens gibt es einen klaren Erfolgsmaßstab für den Klimawandel: Wir wissen, dass wir das Problem eindämmen können, wenn wir die Kohlenstoffemissionen reduzieren. Im Vergleich zu anderen Problemen wie der Sicherheit von künstlicher Intelligenz, der nuklearen Sicherheit und der Biosicherheit ist es viel eindeutiger erkennbar, ob wir im Kampf gegen den Klimawandel Fortschritte machen.

Zweitens macht diese Transparenz es deutlich einfacher, die vielversprechendsten Wege zu identifizieren. Es gibt inzwischen mehrere Erfolgsgeschichten im Bereich des Klimaschutzes, die zeigen, dass Fortschritte möglich sind, wenn die Bestrebungen sorgfältig geplant werden. Zum Beispiel:

Da der Klimawandel ein so klares Erfolgskriterium hat und wir inzwischen verschiedene, gut erprobte Lösungen kennen, ist er eines der lösbareren globalen Risiken (was nicht bedeuten soll, dass wir das Problem als gelöst ansehen).

Aus einer Gegenwarts-Perspektive betrachtet, müssen wir die Beherrschbarkeit des Klimawandels jedoch mit Themen wie globaler Gesundheit und Entwicklung und der Verringerung von Tierleid in der Landwirtschaft vergleichen. Leider ist dieser Vergleich ein äußerst schwieriges Unterfangen. Bislang haben wir diese Problematik noch nicht vollständig untersucht, aber wir sind sehr daran interessiert, sie in einem zukünftigen Bericht zu adressieren.

Vernachlässigung — Wie viel wird schon getan?

Bei der Entscheidung darüber, wie wir mit unseren Ressourcen die größten Auswirkungen erzielen können, ist es wichtig zu berücksichtigen, wie vernachlässigt das Problem ist: Wie viele Ressourcen werden bereits für das Problem eingesetzt, und wie effektiv werden diese Ressourcen verteilt? Probleme, die eher vernachlässigt werden, tragen immer noch tief hängende Früchte, und der Grenzertrag nimmt noch nicht ab.

Der Klimawandel erfährt weiterhin unverhältnismäßig wenig Beachtung. Jedoch werden andere Probleme und globale katastrophale Risiken, die in der Gemeinschaft des Effektiven Altruismus diskutiert werden, noch stärker vernachlässigt. Jedes Jahr werden Hunderte von Milliarden Dollar von Regierungen und dem privaten Sektor für den Klimawandel ausgegeben. In den letzten Jahren haben auch die philanthropischen Ausgaben für den Klimawandel erheblich zugenommen: 2021 wurden weltweit etwa 4 bis 9 Milliarden Euro für die Klima-Philanthropie ausgegeben. Die Ausgaben für andere globale Katastrophenrisiken waren 10- bis 100-mal geringer.4

Angesichts der Tatsache, dass die Eindämmung des Klimawandels ein riesiger Bereich ist, der die gesamte globale Wirtschaftstätigkeit umfasst, wäre es jedoch ein Fehler, anzunehmen, dass die gestiegene Finanzierung des Klimaschutzes bedeutet, dass es im Klimaschutz keine vernachlässigten Posten mehr gibt (siehe unsere Diskussion dazu weiter unten). 

Und was vielleicht noch wichtiger ist: Obwohl viele andere Bereiche vernachlässigt werden, gibt es große Geldgeber (wie Open Philanthropy), die daran interessiert sind, die „niedrig hängenden Früchte“ in diesen anderen Bereichen zu finanzieren.5 Dadurch erhalten diese ehemals ignorierten Bereiche deutlich mehr Aufmerksamkeit, als es sonst der Fall wäre (was gut ist!).

In der Zusammenschau: Ist der Klimawandel das wichtigste Problem der Welt?

Unter Berücksichtigung des Ausmaßes, der Vernachlässigung und der Lösbarkeit stellt der Klimawandel insgesamt eines der drängendsten weltweiten Probleme dar — es ist offenkundig, dass die Gesellschaft viel größere Anstrengungen unternehmen sollte, um es zu lösen.

Langfristig gesehen sind andere Probleme zwar schwerwiegender und vernachlässigter (wie die Risiken durch fortschrittliche künstliche Intelligenz oder die Biosicherheit), aber der Umstand, dass wir im Kampf gegen Klimawandel klare Messgrößen und erprobte Werkzeuge zur Hand haben, macht ihn zu einer dringenden Priorität. Da so viele Ressourcen in den Klimawandel fließen, können wir einen erheblichen Einfluss darauf nehmen, wie diese Ressourcen verteilt werden — in der Tat betrachten wir dies als den wichtigsten Aspekt auf dem Weg hin zu einer effektiven Klima-Philanthropie (siehe unten).

Dennoch sind beide Autoren unseres vollständigen Berichts der Meinung, dass Biosicherheit und KI-Sicherheit vielversprechender für Spender:innen sind, die langfristig das meiste Gute tun und den Problemfeldern gleichzeitig neutral begegnen möchten.

Welchen Stellenwert der Klimawandel aus der Gegenwarts-Perspektive hat und wie hoch dieser relativ zu anderen Bereichen ist, ist deutlich schwieriger festzustellen. Diese Frage ist Gegenstand intensiver Forschung, die hauptsächlich von Organisationen im Feld des Effektiven Altruismus betrieben wird. In den kommenden Jahren können wir also darauf hoffen, bessere Antworten auf diese komplexe Frage zu erhalten.

Wir sind der Meinung, dass die Arbeit am Klimawandel wenig spekulativ und mit großer Sicherheit positiv ist — aus verschiedenen Blickwinkeln scheint sie eine hohe Priorität zu haben und das mag besonders Leser:innen ansprechen, die sich ihrer eigenen Werte und Weltanschauungen noch unsicher sind. Es gibt zahlreiche Belege und Forschungsergebnisse, die den Schluss nahelegen, dass wir mehr tun sollten. Lasst uns also als Nächstes überlegen, was genau wir tun sollten.

2. Wie können wir den Klimawandel am besten bekämpfen?

Für diejenigen, die den Klimawandel priorisieren wollen, stellt sich die Frage: Wie können wir am besten etwas bewirken? 

In diesem Abschnitt werden wir versuchen, diese Frage zu beantworten, indem wir einen Rahmen für die Betrachtung von wirkungsvollem Klimaschutz aufstellen und dann drei Lösungen hervorheben, die wir auf der Grundlage dieses Frameworks für besonders vielversprechend halten.

Das Framework: Vier Schlüsselfaktoren

Wir gehen davon aus, dass es vier Schlüsselfaktoren gibt, die bei der Bewertung von Ansätzen zur Bekämpfung des Klimawandels zu berücksichtigen sind. Betrachten wir sie nacheinander und erörtern wir, welche konkreten Einflüsse sie auf unsere Entscheidungen haben.

Der Anteil des Westens an den Emissionen nimmt ab

Dies wird anhand der folgenden Grafik aus Our World in Data deutlich:

Es wird erwartet, dass die USA und die EU im 21. Jahrhundert höchstens 15% der Emissionen verursachen. Wenn wir den schlimmsten Fall vermeiden wollen, müssen wir also Wege finden, die Emissionen außerhalb des Westens zu reduzieren. Dies ist eine besondere Herausforderung, da der Energieverbrauch stark mit dem Lebensstandard korreliert — es gibt schwerwiegende humanitäre Gründe, dafür zu sorgen, dass Menschen ihren steigenden Energiebedarf auch in Zukunft decken können. Daher müssen wir Lösungen finden, die die Emissionen in den Schwellenländern reduzieren, ohne den Lebensstandard zu beeinträchtigen.

Globale Koordination im Klimaschutz ist schwierig

Die Verringerung der Emissionen ist ein globales und generationenübergreifendes, öffentliches Gut: Jedes Land erhält nur einen Bruchteil des Nutzens aus der Verringerung seiner Emissionen. Infolgedessen neigen Länder dazu, zu wenig in die Eindämmung von Emissionen zu investieren. Hinzu kommt, dass die Regulierung von Industrien zur Verringerung der Kohlenstoffemissionen eines Landes dazu führen kann, dass Industrien abwandern, sodass die Gesamtemissionen gleich bleiben. Daher halten wir es für das Beste, sich auf Lösungen zu konzentrieren, die nicht auf eine umfassende globale Koordinierung angewiesen sind — nicht, weil eine Koordinierung nicht gut wäre, sondern weil es sehr schwierig ist, sie zu verwirklichen.

Öffentliche und private Ausgaben stellen die Philanthropie in den Schatten

Die philanthropischen Ausgaben für den Klimaschutz sind 100- bis 200-mal niedriger als die öffentlichen und privaten Ausgaben. Das bedeutet, dass die Klima-Philanthropie eine erhebliche Hebelwirkung entfalten kann, indem sie sich auf die wirksamsten Maßnahmen konzentriert, um die Bemühungen der Regierungen und des Privatsektors zu verbessern.

Philanthropische Ausgaben für den Klimawandel vernachlässigen bestimmte Schlüsselsektoren

Im Großen und Ganzen liegt die Aufmerksamkeit der Klima-Philanthropie derzeit nicht dort, wo sie die größte Wirkung erzielen könnte — einige wichtige Quellen künftiger Emissionen werden nach wie vor stark vernachlässigt. Der Bericht von Founders Pledge enthält ein Diagramm, das die Verteilung der Klima-Philanthropie nach Region und Bereich zeigt. Während in den USA und der EU vergleichsweise viele Mittel für eine Vielzahl von Sektoren zur Verfügung stehen, ist die Finanzierung immer noch alles andere als ausgewogen — sie ist stark auf Elektrizität und elektrifizierten Verkehr ausgerichtet und vernachlässigt die schwierigsten Herausforderungen, die am dringendsten Unterstützung benötigen (wie Industrie, Verkehr, Kohlenstoffabbau und Landwirtschaft). Daher könnte es am wirkungsvollsten sein, die existierenden Mittel vermehrt in diese vernachlässigten Bereiche zu investieren.

Unsere drei besten Lösungen

In unserem vollständigen Bericht analysieren wir 10 Lösungen für den Klimawandel. Hier stellen wir nur unsere drei besten Lösungen vor:

  1. Förderungen von Innovationen im Bereich grüner Energie
  2. Vermeidung einer Kohlenstoffabhängigkeit in wachsenden Wirtschaftssystemen
  3. Politische Maßnahmen

Sehen wir uns diese drei Ansätze einmal genauer an:

Förderung von Innovationen im Bereich grüner Energie

Ein (laut Founders Pledge und Let's Fund) besonders vielversprechender Ansatz zur Bekämpfung des Klimawandels ist die Konzentration auf Innovationen im Bereich saubere Energie. Der große Vorteil von Innovationen im Bereich der kohlenstoffarmen Energie besteht darin, dass sie das Potenzial haben, die Emissionen dort zu beeinflussen, wo Energiebedarf herrscht, ohne aufwändige internationale Zusammenarbeit zu erfordern. Diese Theorie des Wandels lässt sich wie folgt zusammenfassen:

Das Endziel ist eine Verringerung von Emissionen im Gigatonnenbereich (eine massive Verbesserung der Welt!). Selbst unter recht konservativen Annahmen kann diese Art der Lobbyarbeit aufgrund der Hebelwirkung, die erfolgreiche Lobbyarbeit verspricht, und der globalen technologischen Spillover-Effekte äußerst kosteneffizient sein. Die Vorteile sind besonders groß bei vernachlässigten kohlenstoffarmen Technologien. (Die Gründe hierfür erörtern wir im vollständigen Bericht.)

Während die Förderung von Solar- und Windenergie sowie von Elektroautos eine große Erfolgsgeschichte ist, hinken bestimmte andere Schlüsseltechnologien — wie Kernenergie, kohlenstofffreie Brennstoffe, Kohlenstoffabscheidung und -speicherung, verbesserte geothermische Systeme und Energiespeicherung —- hinterher. Es gibt einige Einwände gegen diesen Ansatz (siehe vollständiger Bericht), aber letztendlich halten wir ihn immer noch für eine der vielversprechendsten Lösungen des Klimaproblems.

Vermeidung einer Kohlenstoffabhängigkeit in wachsenden Wirtschaftssystemen

Carbon Lock-in“ (eine lang anhaltende Kohlenstoffabhängigkeit) tritt auf, wenn Entscheidungen getroffen werden, die einen hohen Kohlenstoffverbrauch für die Zukunft festschreiben. Ein Beispiel hierfür könnte der Bau neuer Kohle- und Stahlwerke sein. Obwohl die sinkenden Kosten für erneuerbare Energien den Neubau von Kohlekraftwerken weniger attraktiv machen, ist es viel kostspieliger, bereits etablierte Kohleinfrastruktur vorzeitig stillzulegen. Dies ist ein wichtiges Argument dafür, den Bau neuer Infrastrukturen für fossile Brennstoffe zu vermeiden — insbesondere in Schwellenländern. Das Klimaforschungsteam von Founders Pledge hält dies für eine der wirkungsvollsten Herangehensweisen (Stand 2022) und plant, künftig weitere Forschung und Förderung in diesem Bereich zu betreiben.

Politische Maßnahmen

Eine vielversprechende philanthropische Strategie ist das Eintreten für effektive politische Führung: Wenn es einem Land gelingt, seine Emissionen zu vertretbaren Kosten und ohne politische Gegenreaktionen wirksam zu reduzieren, könnte dies ein Beispiel sein, dem andere Länder folgen wollen. 

Da die Emissionen eines jeden Landes im Vergleich zu den globalen Emissionen gering sind und die Länder in Sachen Politik ständig voneinander abgucken, kann es sehr wirkungsvoll sein, sich für politische Maßnahmen in einem spezifischen Land einzusetzen. Die Hoffnung ist, dass sich die klimafreundliche Politik weltweit ausbreiten wird, selbst wenn die Emissionsreduzierungen im Ausgangsland gering ausfallen würden.

Zwei Erfolge aus der  jüngeren Vergangenheit verdeutlichen, warum dieser Ansatz so viel bewegen kann:

In den 1970er und 1980er Jahren haben verschiedene Länder (darunter Schweden und Frankreich) ihre Elektrizitätssysteme sehr rasch dekarbonisiert, indem sie in großem Umfang Kernkraft einsetzten und gleichzeitig niedrige Strompreise beibehielten.

Im Vereinigten Königreich sind die Emissionen dank einer pragmatischen Mischung aus Vorschriften, Subventionen und Kohlenstoffpreisen drastisch gesunken: Kohle ist aufgrund von Energieeffizienz und der zunehmenden Versorgung durch Windkraft aus dem Netz verschwunden.

Insgesamt ist die politische Einflussnahme ein vielversprechender Ansatz zur Bekämpfung des Klimawandels, vorausgesetzt, wir können sinnvolle Lösungen finden, die nicht bereits substantiell von anderen Philanthrop:innen unterstützt werden.

3. Welche sind die effektivsten Wohltätigkeitsorganisationen und Fonds, die sich für den Klimaschutz einsetzen?

Unserer Meinung nach ist die beste Möglichkeit, für die Linderung von Klimaschäden zu spenden, der Founders Pledge Climate Change Fund.6

Die Strategie des Fonds besteht darin, auf Grundlage der hier formulierten Überlegungen die besten Klimaschutzmaßnahmen zu finden und zu finanzieren, wobei der Schwerpunkt auf der Vermeidung der schlimmsten Klimaschäden liegt. Dies geschieht durch die Analyse der Vernachlässigung und der Wirksamkeit von Maßnahmen sowie durch die Vergabe von sowohl kurzfristig als auch langfristig angelegten Zuschüssen. Einzelne Spender:innen zahlen Geld in den Fonds ein, das dann von Expert:innen auf dem Gebiet an die wirksamsten Projekte verteilt wird. (Mehr Infos dazu im Podcast mit dem Klimajournalisten David Roberts oder in diesem Bericht über das Grantmaking und die Theorie des Wandels von Founders Pledge).

Bislang setzt der Fonds auf vier verschiedene Ansätze:

  • Beschleunigung der Innovation von vernachlässigten Technologien
  • Vermeidung von Kohlenstoffabhängigkeit in Schwellenländern
  • Politische Führung und Paradigmenwechsel
  • Das Wachstum vielversprechender Organisationen unterstützen

Zu den Wohltätigkeitsorganisationen, die derzeit empfohlen werden, gehören:

Clean Air Task Force — Eine hocheffektive, gemeinnützige Organisation mit Sitz in den USA und Europa, die sich auf Innovationen im Bereich saubere Energie in OECD-Ländern konzentriert. Sie expandiert derzeit weltweit, unterstützt durch einen Zuschuss des Founders Pledge Climate Funds.

TerraPraxis — Eine kleine gemeinnützige Organisation mit Sitz im Vereinigten Königreich und in den USA, die sich für Innovationen im Bereich der vernachlässigten kohlenstoffarmen Technologien einsetzt. TerraPraxis setzt insbesondere auf die Kernenergie, um die schwierigsten Probleme bei der Dekarbonisierung zu lösen (z. B. dekarbonisierte Flüssigbrennstoffe und hohe Emissionen aus neuen Kohlekraftwerken in Asien).

Carbon180 — Eine in den USA ansässige gemeinnützige Organisation, die sich für Technologien und Ansätze zur Kohlenstoffentfernung einsetzt, die vernachlässigte, aber wichtige Lösungen im Kampf gegen den Klimawandel darstellen.

Future Cleantech Architects —- Ein kleiner europäischer Think Tank, der sich auf die Beschleunigung von Innovationen in schwer zu dekarbonisierenden Sektoren konzentriert.

Es ist wichtig zu beachten, dass es wahrscheinlich wesentlich effektiver ist, über den Klimafonds zu spenden als an die einzelnen Wohltätigkeitsorganisationen. Dadurch wird sichergestellt, dass jede Organisation adäquate Mittel erhält, und es wird vermieden, dass einige Organisationen aufgrund fehlender Gelder nicht in der Lage sind, Projekte durchzuführen, während andere mehr Mittel als nötig erhalten; Ein weiterer Vorteil ist die bereits erwähnte Möglichkeit, den zeitlichen Rahmen der Förderung zu steuern. So können Zuschüsse zeitlich begrenzt, auf viele Jahre ausgelegt oder als Gründungszuschuss verwendet werden. (Hier kannst Du mehr über unsere Empfehlung erfahren, an Fonds zu spenden, die von Expert:innen geleitet werden.)

Spende für effektiven Klimaschutz:

Fazit

Der Klimawandel ist eines der wichtigsten Probleme, mit denen unsere Spezies es jemals aufnehmen musste, und obwohl wir einige Erfolge erzielt haben, ist der nächste rationale Schritt, noch deutlich mehr zu tun.

Aber ist der Klimawandel nun wirklich das wichtigste Problem?

Aus der Perspektive des Longtermism, die sich auf die Sicherung unserer langfristigen Zukunft konzentriert, scheint er es nicht zu sein (obgleich er definitiv zu den wichtigsten Problemen zählt). Mit Hinblick auf die Gegenwart und nähere Zukunft bleibt die Frage aus unserer Sicht vorerst offen.

Wir halten es definitiv für plausibel, dass die Bekämpfung des Klimawandels für viele Leser:innen aufgrund ihrer Wertvorstellungen zu den wichtigsten Anliegen gehört, die sie mit ihren Spenden unterstützen können. Dies gilt insbesondere für Spender:innen, die:

  • die Zukunft der Menschheit wertschätzen, aber nicht damit einverstanden sind, dass wir uns dabei besonders auf die Gefahr des Aussterbens konzentrieren sollten.
  • im Allgemeinen Probleme bevorzugen, zu denen bereits klare und erprobte Lösungswege vorliegen.

Vor allem aber sind wir der Meinung, dass es für einzelne Personen gute Möglichkeiten gibt, etwas zu bewirken. Indem man die vielversprechendsten Maßnahmen effektiver Wohltätigkeitsorganisationen unterstützt, kann man mit jedem gespendeten Euro eine enorme Wirkung erzielen: Tatsächlich könnte eine Spende Deine effektivste Option darstellen, um etwas gegen den Klimawandel zu bewirken.

Mehr Infos zum Thema

Hier findest Du unseren vollständigen Bericht.

Carbon Brief ist eine großartige Informationsquelle für zahlreiche Klimathemen.

Navigating the changing landscape of climate philanthropy — Founders Pledge gibt einen tiefen Einblick in die aktuelle Landschaft des Klimaschutzes und der Philanthropie und erklärt, was dies für Spender:innen bedeutet, die ihr Geld möglichst effektiv einsetzen wollen.

David Roberts' Volts-Podcast mit Johannes Ackva.

Climate Change: A Risk Assessment — von David King, Daniel Schrag, Zhou Dadi, Qi Ye und Arunabha Ghosh — bietet einen hervorragenden Überblick über die Gefahren des Klimawandels.

Die Berichte des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen der Vereinten Nationen (Intergovernmental Panel on Climate Change) behandeln den wissenschaftlichen Konsens zum Klimawandel.

1 Genauer gesagt geht es uns um förderbare fossile Brennstoffe (Brennstoffe, zu denen wir realistischerweise Zugang haben könnten). Nach höheren Schätzungen summieren sich die förderbaren fossilen Brennstoffe auf 3 Billionen Tonnen Kohlenstoff.

2 Die Erwärmung wird relativ zu den vorindustriellen Werten berechnet (derzeit liegen wir 1 Grad über den vorindustriellen Temperaturen). Eine Vielzahl von Modellen hat gezeigt, dass die Erwärmung proportional zu den Gesamtemissionen verläuft, und der IPCC schätzt, dass pro Billion Tonnen Kohlenstoff mit einer Erwärmung von 1 bis 2,3 Grad (66 % Spannweite) zu rechnen ist, wobei die beste Schätzung bei 1,65 Grad liegt. Es wird davon ausgegangen, dass diese Beziehung für Gesamtemissionen bis zu 3 Billionen Tonnen gilt, wobei die Verlässlichkeit dieses Zusammenhangs zwischen 1 und 3 Billionen Tonnen geringer ist.

3 Um gegensätzliche Ansichten über den Zusammenhang zwischen Klima und Konflikten zu explorieren, empfehlen wir Dir Buhaug et al. (2014) und Hsiang, Burke & Miguel (2013).

4 Auf 80,000 Hours findest Du einige Schätzungen zu den jeweiligen Risiken. Dieser Artikel enthält außerdem eine Schätzung des Betrags, den die EA-Bewegung insgesamt für diese Risiken aufwendet.

5 Anmerkung: Open Philanthropy hat auch uns, Giving What We Can, finanziell gefördert.

6 Im Rahmen dieses Berichts haben wir eng mit einem aktuellen und einem ehemaligen Mitarbeiter von Founders Pledge zusammengearbeitet. Die beiden Autoren des vollständigen Berichts sind Johannes Ackva, der derzeit das Klimateam von Founders Pledge leitet, und John Halstead, der inzwischen bei der Forethought Foundation arbeitet und früher die angewandte Forschung von Founders Pledge als Leiter betreute. Wir haben uns für die Zusammenarbeit mit John und Founders Pledge entschieden, weil sie innerhalb der EA-Gemeinschaft einen exzellenten Ruf genießen und ihre Arbeit uns sehr beeindruckt hat (um Dir selbst ein Bild von dieser Arbeit zu machen, empfehlen wir Dir ihren jüngsten Bericht, A guide to the changing landscape of high-impact climate philanthropy, oder David Roberts’ Podcast mit Johannes Ackva).